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Farbsicherheit



Color Management

Color Management hat das Ziel, Daten originalgetreu durch den kompletten Produktionsprozess zu schleusen. Dabei helfen entsprechende Software, ICC-Profile, Rendering Intents und das Knowhow des Anwenders.

Bevor Color Management gelingen kann, müssen die Prozessparameter geprüft werden. In welchem Zustand befinden sich die Ein- und Ausgabesysteme? Werden die richtigen Materialien eingesetzt? Sind die Umgebungsbedingungen wie Licht, Raumtemperatur usw. konstant? Ist das Fachwissen vorhanden?

Es gibt hochwertige Color Management-Programme zum Generieren von ICC-Profilen, die in anspruchsvollen Prozessen in der Datenreproduktion und Druckausgabe Verwendung finden. Die meisten Anwender greifen jedoch auf Standardprofile zurück, die gute Ergebnisse liefern und zum Beispiel zum Download auf der www.eci-org.de zur Verfügung stehen.

Nach wie vor stellt der richtige Umgang mit ICC-Profilen für viele eine Herausforderung dar. Die Daten sollen verbindlich am Monitor und auf dem Proofer ausgegeben werden. Es müssen die »richtigen« ICC-Profile und Rendering Intents für verschiedene Druckverfahren und Medien und zur Veröffentlichung in Online-Portalen zur Anwendung kommen. Und die Datenhaltung und der Datenaustausch sollte nach festgelegten Bedingungen erfolgen.

In der Regel durchläuft eine Datei viele Hände, bis sie Ihr Ziel erreicht. Von daher fordert Color Management förmlich dazu heraus, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich mit den vor- und nachgelagerten Prozessen zu beschäftigen.


Prozessstandard

Prozesse zu standardisieren ist unumgänglich, um Kontinuität, Wiederholbarkeit und Sicherheit in der Produktion zu erreichen. Und im Endeffekt entfaltet auch das Color Management erst seine Wirkung, wenn der Prozess standardisiert ist.

Was bedeutet Standardisierung in der Medienbranche? Nun, für mich als Berater ist es ein komplexes Thema, was mehrdimensional betrachtet werden sollte.

Standardisierung technisch gesehen, ist die Definition von Produktionsmitteln und -wegen. Das Festlegen von Zielen und Toleranzen. Die Ausstattung mit grundlegend funktionierender Technik, die sowohl Ihren Ansprüchen als auch vorleigenden ISO-Normen entsprechen sollten. Es bedeutet auch die Dokumentation von Abläufen und Zielwerten und die Gewährleistung des möglichen Zugriffs, der Wartung und Aufrechterhaltung aller Parameter.

Ein anderer Blickwinkel im Thema Prozessstandard sollte auch den Menschen erfassen, der all diese Dinge anschafft, einrichtet, pflegt, bedient.

Häufig wird beim Gespräch über Standards ausschließlich von ordnungsgemäßen Digitalproofs, die passenden Digitaldrucke und der ISO-konformen Druckabnahme gesprochen. Doch erlebe ich nicht selten, dass all diese teilweise technisch ausgefeilten Systeme trotz redlichem Bemühen nicht das gewünschte Ergebnis liefern. Und Proofs, Daten und Drucke sehen am Ende des Tages doch nicht so aus, wie gedacht. Wie kann das sein? Ursache Nummer 1: der Mensch und damit verbunden Wissen, Befugnisse, Verantwortung, Angst vor Veränderung, Motivation, Kommunikation, Zeitmanagement. Also Augen zu und durch, oder? Das muss nicht sein, denn Standardisierung kann auch bedeuten, Kommunikations- und Informationsregeln zu etablieren, Motivationsgrundlagen zu schaffen, Verantwortungen zu klären und vieles mehr.


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Farbsprache

Eine ISO-konforme Produktion mit Color Management, PSD, PSO, Farbmessung und vielem mehr beinhaltet eine Vielzahl an Fachbegriffen. Die wissentliche Verwendung von Fachtermini angemessen im richtigen Zusammenhang erleichtert die Kommunikation über verschiedenen Fachbereiche hinweg und hilft bei der Optimierung von Prozessen.

Aus meiner Erfahrung führt die Nicht-Kennntnis und das Nicht-Verstehen von Fachbegriffen zu Unverständnis und Missverständnissen. Agentur, Medienproduktion, Druck, Kunde sprechen häufig eine andere Sprache. Jeder hat für sich Expertenwissen, was aber in der Kommunikation miteinander wenig nützt. Eine Kommunikation, in der der eine den anderen nicht versteht, macht misstrauisch und erschwert einen vertrauensvollen Umgang. Können Sie als Kunde dem produzierenden Unternehmen und Dienstleiser vertrauen? Vertrauen Sie in der Produktion dem Kunden? Vertraut die eine Abteilung der anderen?

Eimal abgesehen davon, dass Vertrauen ein wichtiger Faktor ist, für Kundenbindung und Zufriedenheit auf beiden Seiten ist, gibt es da auch noch die technischen Auswirkungen. Nicht-Verstehen kann zu wiederholten Korrekturen führen, zu langen Abstimmprozessenen, zu Unmut im Allgemein und wirkt sich nicht selten auf die Qualität von Produkten und die Zusammenarbeit aus.

Farbsprache bedeutet neben der wissentlichen und adäquaten Verwendung von Fachbegriffe auch noch ein tieferes Verstehen von Grenzen und Möglichkeiten und nicht selten eine Fähigkeit zur guten Kommunikation.

Die Verwendung von Fachbegriffen macht nur dann Sinn, wenn der Sender wirklich verstanden wird und der Empfänger folgen kann. Es ist sinnvoll, Wege zu überlegen, allen Abteilungen eines Unternehmens und auch in Zusammenarbeit mit Dienstleister und Kunden eine Sprache zu entwickeln, die jeder verstehen kann. Weiß der Drucker nicht, was die Datenvorbereitung macht, kann er nicht verstehen, wann er seinen Prozess überprüfen muss und wann Proof und Daten hinterfragt werden müssen. Die Medienproduktion wundert sich, wieso Drucke nicht so aussehen, wie am Monitor oder Proof und versteht die Erklärung des Druckers nicht. Der Kunde kann nicht verstehen, wieso der Druck so aussieht wie er aussieht und wundert sich zu recht, wenn der eine es auf den anderen schiebt. Werden Sie geschickter in der Formulierung, erweitern Sie Ihr eigenes Verstehen und holen Sie Ihr gegenüber ab und das Eis bricht.


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Qualitätssicherung

Qualitätssicherung in der Medienindustrie ist eine Aufgabe, die sich lohnt anzugehen. Diverse Normen und Standards bilden dafür die Grundlage. Messtechnik, ColorServer, RIPs, DTP-Programme, digitale und konventionelle Drucksysteme sind wissentlich einzubinden. Und das ganze am Besten nachhaltig.

Wissentlich: Zunächst muss sicher gestellt werden, dass ein entsprechendes Fachwissen in allen Bereichen etabliert ist. Inselwissen oder Expertenwissen, dass nur einer in sich trägt, lässt alle anderen drum herum nicht gut aussehen und steht einer flexiblen und effizienten Kommunikation im Weg.

Gemeinsam: Langfristige und zufriedenstellende Lösungen werden vor allem in der Zusammenarbeit erreicht. In Absprache über verschiedene Abteilungen hinweg und mit allen die es betrifft am runden Tisch. Dazu zählen auch Kunde, Agentur, Produktioner, Medienproduktion, Dienstleister, Kundenkontakt, Drucker.

Schriftlich: Ob Protokolle, Ablauf- oder Prozessbeschreibungen, Handlungs- oder Arbeitsanweisungen, Leitfäden oder Richtlinien – ohne schrifltiche Grundlage sind Beanstandungen oder Anweisungen nur schwer zu halten. Vermeintliche Fachdiskurse werden zu Grundsatzdiskussionen ohne wirkliche Klärung. Deshalb gilt es zu definieren, was war, ist und sein soll. So können Sie eine sachliche Kommunikationsgrundlage schaffen, die Sicherheit bietet.

Kommunikativ: Gute Besprechungen sind eine Kunst und sehen je nach Kontext anders aus. Sei es die Vorbesprechung zur kommenden Woche oder die Nachbesprechung dessen, was in der Woche zuvor gelaufen ist (manchmal wichtiger als das Vorgespräch). Sei es das regelmäßige Meeting mit dem Kunden. Betriebsinformationen oder regelmäßige Mitarbeitergespräche. Strategieentwicklung, Projektarbeit, Arbeitstreffen, Abteilungsaustausch oder Teammeeting – wie immer Sie es nennen möchten. Eine kontinuierliche Kommunikations- und Informationspolitik ist in der Qualitätssicherung Gold wert.

Gemessen: Bei allem Respekt vor einem guten Auge und Bauchgefühl, ohne einen Beleg, dass das, was produziert wird, der ISO-Norm entspricht, kann man heute nicht mehr punkten. Nicht beim Kunden, der Agentur, der Druckerei, dem Produktioner oder sonstigen Auftraggebern.

Aussagen wie: »Aber das sieht doch gut aus« verfehlen ihre Wirkung und führen eher zur Verunsicherung als zu einem vertrauensvollem und gewinnbringenden Umgang. Machen sie sich schlau und verwenden Sie Messtechnik. Ob Monitor, Digitalproof, Digitaldruck oder konventioneller Druck – die Farbmessung bestimmt im Endeffekt, ob Ergebnisse richtig sind oder nicht. Und ist das »Richtig-Sein« erst einmal erreicht, kann dann gerne noch eine Prise Auge und Bauchgefühl einfließen.

Verantwortlich: Wer ist in wie weit für was bis wann zuständig? Verantwortungen und Zuständigkeiten müssen geklärt werden und sind schriftlich festzuhalten. Projekte gelingen nur, wenn jeder weiß, was sein Beitrag ist und wann er was bis wann zusteuern sollte. Es muss klar sein, wer für die Richtigkeit von Bilddaten, PDFX-Daten, Digitalproofs, Drucke, Kundenkommunikation verantwortlich ist, wer was in welchem Prozessschritt vor der Weitergabe und beim Empfang zu prüfen hat. Das betrifft auch Briefings, Arbeits- und Auftragsmappen, Arbeitsanweisungen und die Definition von Ausnahmen. Und wer ist verantwortlich für die prophylaktische Qualitätssicherung, also prüft regelmäßig vorweg ob Systeme oder Druckmaschinen in einem gutem Zustand sind? Die Definition von Verantwortung ist für Nachhaltigkeit im Prozess unabdingbar.

Rückmelden: Geben Sie Feedback, zeitnah und professionell und in einer Form, dass der Empfänger damit konstruktiv umgehen kann. Qualität sichern heißt kontinuierliches Rückmelden von gelungen und nicht gelungenen Lieferungen, Prozessen, Ergebnissen. Es ist erstaunlich, wie noch an vielen Stellen eher geschwiegen wird, aus der Befürchtung heraus, etwas falsch zu machen, unangenehm aufzufallen, nicht richtig zu liegen, einen Kunden zu verlieren, eines auf den Deckel zu bekommen etc. Wenn etwas mit Sicherheit eine Nachhaltigkeit untergräbt, dann ist es eine fehlende Feedbackkultur. Ich kann behaupten, dass gutes Feedback geben, nicht jedem in die Wiege gelegt wurde. Aber es ist erlernbar, wie jeder andere Kommunikationsstil auch. Und für eine langfristige Qualitätssicherung und -steigerung eine Voraussetzung.